Am 24. Mai machten wir uns gemeinsam als Drachenboot-Piraten des WRC Pirat mit Unterstützung von Paddlern und Paddlerinnen des WSV Ottensheim auf den Weg zur 50. Vogalonga nach Venedig. Für die meisten von uns war es die erste Teilnahme an dieser ganz besonderen Veranstaltung – und schon die Anreise hatte Abenteuercharakter.
Bereits am Vortag wurde unser Boot am Tronchetto-Hafen per Kran (den Luxus leisteten wir uns) über die hohe Kaimauer zu Wasser gelassen. Kurz darauf paddelten wir hinaus auf den offenen Teil der Lagune. Zwischen den hohen Kaimauern und den großen Schiffen wurden wir von den langen Wellen angehoben und wieder abgesenkt. Ein sehr ungewohnten Gefühl auf den Welles des Meeres in einem Drachenboot.
Links bogen wir schließlich in die Kanäle Venedigs ein und warteten darauf, dass sich alle sieben Drachenboote unserer Gruppe sammelten. Die anschließende Fahrt durch die venezianischen Kanäle war bereits ein Highlight für sich. Es sind Einblicke, die man als normaler Besucher kaum jemals bekommt. Links blickt man in die schmale Gasse eines Vorgartens, rechts beinahe durch offene Fenster einer Wohnung.
Manche Kanäle waren so eng, dass neben unserem ohnehin schmalen Drachenboot kaum noch Platz blieb. Enge Kurven und 90-Grad-Abzweigungen verlangten den Steuerleuten einiges ab. Gleichzeitig war die friedliche Stille der Kanäle wirklich beeindruckend. Der Schatten zwischen den Häusern brachte eine willkommene Abkühlung an diesem heißen Tag. Jeder Kanal sah anders aus und hinter jeder Biegung wartete eine neue Überraschung.
Die Vogalonga wurde vor mehr als 50 Jahren ins Leben gerufen, um auf die Bedeutung der traditionellen, muskelbetriebenen Boote aufmerksam zu machen und ein Zeichen gegen den zunehmenden Motorbootverkehr in der Lagune zu setzen. Während der Veranstaltung sind daher ausschließlich handbetriebene Boote unterwegs – und genau das macht ihre einzigartige Atmosphäre aus.
Am frühen Sonntagmorgen versammelten sich rund 2.000 Boote vor dem Markusplatz. Über die weite Lagune hallte venezianische Musik, venezianische Ruderboote aller Größen und Formen lagen dicht an dicht. Dann ertönte der Kanonenschuss.
Und plötzlich setzte sich die riesige Flotte in Bewegung.
Ein echter Gänsehautmoment.
Boote links, rechts, vor und hinter uns, so weit das Auge reichte. Die Sonne im Gesicht, der Salzgeruch in der Luft und bei jedem Paddelschlag warmes Wasser auf der Haut. Bekam man einen Tropfen ins Gesicht, wusste man sofort: Das hier ist das Meer.
33 Kilometer lagen vor uns.
Die Strecke führte durch ständig wechselnde Kulissen der Lagune. Immer wieder tauchten neben uns tolle Boote und unterschiedlichste Teams aus aller Welt auf. Man grüßte sich, bewunderte Boote, Fahnen und kreative Outfits – ganz egal in welcher Sprache. Die Stimmung war offen, herzlich und international.
Besonders beeindruckend war die Annäherung an Burano. Aus der Ferne wirkte die kleine Insel mit ihrem leicht schiefen Kirchturm, als würde die riesige Bootsflotte direkt auf sie zusteuern. Fast wie eine friedliche Invasion. Wasser soweit das Auge reichte und mittendrin wir.
Kurz davor wurde das Wasser plötzlich flach. Unser Stechpaddel verschwand nur noch zur Hälfte im Wasser und stieß bereits auf Sand. Das Wasser wurde trüb und selbst das Steuer setzte kurz auf. Doch wir blieben frei und erreichten Burano problemlos.
Dort machten wir unser Boot in dritter Reihe neben anderen Drachenbooten fest und genossen eine kurze Pause zwischen den berühmten bunten Häusern der Insel. Währenddessen zog die gewaltige Flotte langsam an uns vorbei. Ihr Ende war mit bloßem Auge nicht zu erkennen.
Danach ging es weiter Richtung Murano. Das hellgrüne Wasser der Lagune, die friedlich dahingleitenden Boote und der weite Blick über das Meer boten immer wieder neue Postkartenmotive.
Schließlich erreichten wir die berühmte Engstelle vor der Einfahrt in den Canal Grande – das Nadelöhr der Vogalonga. Dort erwartete uns ein ganz besonderes Schauspiel: ein riesiger Stau aus Booten aller Art. Alles war dicht an dicht.
Taucher im Wasser halfen dabei, das entstandene „Wollknäuel“ wieder zu entwirren. Erstaunlicherweise blieb die Stimmung trotzdem entspannt. Besonders die Ruderboote mit ihren langen Auslegern hatten alle Hände voll zu tun. Typisch italienisch wurde das Ganze einfach irgendwie geregelt. Irgendwo spielte jemand laut Musik und bald sangen und lachten die Wartenden gemeinsam.
Und dann kam einer der schönsten Abschnitte des Tages.
Nach dem Trubel glitten wir durch den Canal Grande. Plötzlich wurde es ruhiger. Vor uns lagen die prachtvollen Palazzi, Brücken und Fassaden Venedigs. Von den Ufern applaudierten die Zuschauer, pfiffen und feuerten die Teams an. Es gab so viel zu sehen, dass man kaum wusste, wohin man zuerst schauen sollte. Venedig vom Wasser aus zu erleben, ist einfach unvergleichlich.
Als wir schließlich unter der Rialtobrücke hindurchfuhren, war klar: Diesen Moment werden wir nie vergessen.
Nach rund acht Stunden auf dem Wasser erreichten wir wieder den Markusplatz. Dort wurden die Namen aller erfolgreichen Teilnehmerinnen und Teilnehmer jedes einzelnen Bootes das die Ziellinie überquerte vorgelesen. Die Medaillen erhielten wir von einem schwimmenden Stützpunkt aus, zielsicheren zugeworfen von nett lächelnden Italienern.
Wir hatten es geschafft.
Salz auf der Haut. Sonne satt. Müde Arme. Und ein breites Grinsen im Gesicht.
Nachdem wir unser Boot und die anderen Drachenboote unserer gemeinsamen Gruppe aus 7 Drachenbooten aus Österreich wieder sicher an Land gebracht und verladen hatten, ließen wir den Tag bei einem gemeinsamen Team-Dinner direkt am Meer ausklingen. Die warme Luft, das Wasser in der Abendsonne, die verwinkelten Gassen Venedigs und die vielen Eindrücke machten dieses Team Wochenende zu etwas ganz Besonderem. Später schlenderten viele noch durch die Stadt, genossen die laue Sommernacht, die Stimmung in den Gassen und den Blick auf das Meer in der blauen Stunde.
Was für ein Abenteuer, dass wir so schnell nicht vergessen werden, etwas einmaliges unvergleichliches. Und jedes Mal, wenn wir unser Vogalonga-Shirt oder die Medaille der 50. Vogalonga in die Hand nehmen, werden wir wieder an dieses einzigartige Wochenende denken: an die Sonne, das Salz, die Stille der Lagune, die unglaubliche Flotte aus tausenden Booten und an das Gefühl, gemeinsam Teil dieses besonderen Abenteuers gewesen zu sein.



